WAS IST SHODO

DIE 4 KOSTBARKEITEN
Pinsel aus ausgesuchtem Ziegen, Schaf-, Marder- oder Pferdehaar |
Papier aus Maulbeerbaumfasern oder Reisstroh |
Tusche aus Kiefernruß und Tierleim, fest oder flüssig, mit Kampfer- oder Moschusduft |
Reibstein aus Schiefer oder Ton |
zusätzlich
Papierbeschwerer,
Gefäß für Tuschwasser,
Pinselbank und
Filzmatte als Unterlage
Shodō, der traditionelle ‚Weg des Schreibens‘, ist viel mehr als das bloße Formen von Schriftzeichen. In Japan wird es als die Königin der Kunst angesehen. Hier wirken alle Sinne, der Körper und der Geist zusammen. Und das Ergebnis ist immer anders, als wir erwarten.
Gehen wir etwas näher: Vor Ihnen liegen die „Vier Kostbarkeiten“ bereit: Pinsel, Papier, Tusche und Reibstein. Dazu gehören noch ein Papierbeschwerer, ein Wasserspender, eine Pinselbank und ein Filztuch. Das sind genau die Werkzeuge, mit denen schon von jeher die Schriftzeichen gezeichnet wurden. Mehr braucht es nicht, um ihre ganz eigene Ausdruckskraft entstehen zu lassen.
Nehmen Sie einen Moment lang den Anblick der kunstvollen Gegenstände in sich auf, spüren Sie die Weichheit der Pinselhaare, das seidige handgeschöpfte Reispapier und atmen Sie den Kampferduft der Tinte ein. Vor Ihnen liegen nicht nur diese besonderen Utensilien, sondern auch einige Stunden intensiver Beschäftigung mit ihrer Schönheit.
Um uns ganz darauf einlassen zu können, vergessen wir unsere Gedanken und Alltagssorgen für eine Weile. Dazu schließen wir entspannt die Augen. Wir stellen uns einen sanft wogenden Ozean vor, einen weiten Himmel darüber, und vielleicht ein paar Wölkchen, die dahinziehen – wir lassen sie ziehen.
So finden wir langsam zur Ruhe.
Bald sind wir bereit, ein Schriftzeichen als Vorlage zu wählen. Wir öffnen unsere Sinne, um uns in dessen Aufbau zu vertiefen und seine Eigentümlichkeiten zu erkennen - die Form der einzelnen Striche, die Proportionen des gesamten Zeichens, das Verhältnis der schwarzen Tuschespuren zur weißen Leere des Papiers.
Haben wir diese Details verinnerlicht, sind wir vorbereitet für den Akt des Schreibens. Wir nehmen eine aufmerksame Haltung vor unserem Papier ein, erfassen achtsam den Pinsel und tauchen ihn in die Tusche. Dann richten wir unsere Aufmerksamkeit erneut auf unsere Vorstellung von dem Zeichen. In diesem Moment lassen wir unseren Willen los und erlauben der Hand, das Zeichen behutsam zu Papier zu bringen. Das geschieht in einer einzigen, rhythmischen Bewegung unseres gesamten Körpers, fast wie ein Tanz mit dem Pinsel.
Ist das Werk vollbracht, legen wir den Pinsel achtsam zurück auf seinen Platz, kehren wieder zu uns selber zurück und betrachten das Entstandene. Spricht es uns an, wirkt es harmonisch, ist es lebendig, besitzt es Spannung?
Meistens gibt es noch Möglichkeiten zur Verbesserung. Die Perfektion und die ausgewogene Harmonie der Schriftzeichen beruhen auf dem langen Weg ihrer Entwicklung und sind nur durch jahrelange Übung zu erreichen. Aber uns geht es nicht um Perfektion. Für uns ist die Übung selbst das Wesentliche. Durch die Konzentration zu Beginn gelangen wir danach in einen Zustand der Loslösung von aller Anstrengung. Wie von selbst gleitet die Hand mit dem Pinsel über die papierene Fläche. Hinterher stellen wir erstaunt fest, welche Spur sie hinterlassen hat – und dass sie ja von uns selber stammt!
Wenn Sie mögen, lade ich Sie ein, diese Reise auf meiner Website zu beginnen.
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